Literatur am Abend: Montag, 21. Mai 2012, 20 Uhr
Eugen Ruge: In Zeiten abnehmenden Lichts   
Buchkritik

Ian McEwan: "Solar“

Diogenes, 405 Seiten, 2010

Mit „Solar“ wirbelte der britische Erfolgsautor die deutschen Feuilletons auf, wurde als „erster großer Roman, der den Klimawandel thematisiert“ angekündigt und als „Wissenschaftssatire“ mit "scharfkonturierten Plots" gepriesen, in dem es jedoch nur am Rande um Solarenergie geht.


Inhalt


Michael Beard ist Physiker und Frauenheld. Er hat den Nobelpreis erhalten, doch das ist lange her und seine Prioritäten im Leben haben sich längst verändert: Im Beruf ruht er sich auf seinen Lorbeeren aus, privat ist er stets auf der Jagd nach Annerkennung in der Frauenwelt. Bis die geniale Idee eines jungen Wissenschaftlers sowie dessen Tod für Wirbel in seinem Leben sorgt. In Solar geht es nicht nur um Sonnen-, sondern auch um kriminelle Energie und menschliche Schwächen.


Themen des Buches sind


  • der Blick auf einen Wisschenschaftsbetrieb, der sich offiziell dazu verschrieben hat, dem Klimawandel entgegenzutreten, sich anstatt dessen jedoch in bestehenden Projekten verfängt
  • vor allem aber um einen genusssüchtigen, nobelpreisgekrönten Physiker, dessen Ruhm in der Wisschenschafts- wie in der Frauenwelt zunehmend verblasst, und der sich skrupellos der Forschungsergebnisse eines Assistenten bemächtigt, von denen er sich neue Anerkennung erhofft
  • die Doppelmoral eines Mannes, der sich mehr um sein eigens Wohl als um das seiner direkten Mitmenschen oder gar der Menschheit kümmert und sich in schöner Parallele zum Weltklima auf die Katastrophe zu bewegt

Die Bewertung der Shortlist-Mitglieder


  • Fast alle Mitglieder waren von der Satire begeistert und vergaben für den Plot durchschnittlich zwischen drei und 3,5 (von fünf möglichen) Punkten. Insbesondere die flotte Erzählweise und komischen, durch menschliche Schwächen geprägten Episoden im Leben des Protagonisten wurde gelobt.
  • Dennoch konnte das Buch nicht im gleichen Maße überzeugen, wie frühere Werke des Autors mit komplexeren Plots und vielschichtigeren Charakteren– z.B. „Abbitte“ oder „Saturday“.

Insgesamt haben wir - mit einer Ausnahme - den Roman gern gelesen und vergeben durchschnittlich 3,4 Punkte – bei einer möglichen Bewertung von 0 (schlecht) bis 5 Punkte (das perfekte Buch).

 

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