Literatur am Abend: Montag, 10. Juni, 19.30 Uhr
Fien Veldmann - Xerox

Abb. © Verlag
Buchkritik

Mohamed Mbougar Sarr: "Die geheimste Erinnerung der Menschen“

Spannende Suche nach einem verschollenen Autor
Carl Hanser Verlag, 2022, 448 Seiten


Darum geht es:


Der Roman erzählt von der Suche nach dem mysteriös verschollenen senegalesischen Autor Elimane, der in den 30er Jahren gefeiert wurde, jedoch nach rassistischen Anfeindungen und einem Skandal untertauchte.


Auf diese Suche begibt sich der ebenfalls aus dem Senegal stammende und in Paris lebende Autor Diégane. Er bekommt das verloren geglaubte Werk von Elimane in die Hände und wird sofort hineingezogen.


Wir begleiten Diégane auf seinem Weg über verschiedene Kontinente und zu vielen verschiedenen involvierten Personen.


Angelehnt ist die Erzählung des Romans an ein reales Vorbild: Das Buch „Gebot der Gewalt“ des malischen Autor Yambo Ouloguem (1940-2017) führte in der damaligen Zeit aufgrund von Plagiatsbeschuldigungen zu heftigen Kontroversen im literarischen Paris.


Über den Autor:

Der senegalesische Autor Mohamed Mbougar Sarr ist 1990 in Dakar geboren und studierte Literatur und Philosophie in Frankreich. 2014 erschien sein erstes Werk, auf das drei weitere Romane folgten. „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ wurde 2021 mit dem französischen Buchpreis „Prix Goncourt“ ausgezeichnet. Sarr ist der erste senegalesischer Autor, der diesen Preis erhielt.


So klingt der Roman:
Durch die Suche nach dem verschollenen Autor bleibt der Roman bis zum Schluss handlungsgetrieben und spannend, auch wenn Verästelungen und Nebenhandlungen immer wieder eingeschoben werden.


Der vielschichtige Aufbau zeigt sich auch in den verschiedenen Textsorten, die der Roman enthält: neben Erzählungen, Tagebucheinträgen und Briefen, werden beispielsweise Zeitungsartikel und Interviews gezeigt.


Themen wie Kolonialismus, Politik und Identität werden immer wieder verhandelt. Zeitweise liest sich der Roman wie eine Satire auf den französischen Literaturbetrieb.


Bewertung:

Unsere Bewertung von 3,2 von 5 Punkten zeigt, dass der Roman uns nicht in der Mehrheit überzeugen konnte. Einige von uns schätzten den abwechslungsreichen und komplexen Stil sehr. Für viele wirkte der Roman sehr überladen und mit manchen Erzählsträngen zu verästelt. Es war dadurch nicht immer ganz einfach, dranzubleiben und nicht alle von uns hatten Lust, den Roman zu Ende zu lesen.


Auch die Meinungen zur Sprache gingen auseinander: manche lobten den „poetischen“, „märchenhaften“ oder auch „humorvollen“ Stil. Andere kritisierten die verschachtelten Sätze oder die Sprache als zu „ausschweifend“ und „altmodisch“.


Die in dem Buch verhandelten Themen in der Mehrheit stießen insgesamt bei uns auf Interesse, auch wenn wir uns schließlich einig waren, dass das Buch seine Längen hat.
(gm)

 

Weitere Kritiken:

Annette Mingels: Der letzte Liebende
Tijan Sila: Radio Sarajevo
Juli Zeh Simon Urban: Zwischen Welten
Johan Theorin: Nebelsturm
Milena Michiko Flasar: Herr Kato spielt Familie
András Forgách: Akte geschlossen
Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
Jens Steiner: Carambole
Lily Brett: Lola Bensky
Ned Beauman: Der gemeine Lumpfisch
Jakob Guanzon: Überfluss
Jennifer Egan: Candy Haus
Fatman Aydemir: Dschinns
Claudia Schumacher: Liebe ist gewaltig
Isabel Allende: Violeta
Hernan Diaz: Treue
Edouard Louis: Anleitung ein anderer zu werden
Eckhard Nickel: Spitzweg
Daniel Schreiber: Allein
Marie NDiaye: Die Rache ist mein
Jonathan Franzen: Crossroads
Stephan Thome: Pflaumenregen
Alex Schulman: Die Überlebenden
Mithu Sanyal: Identitti
Christian Kracht: Eurotrash
Kazuo Ishiguro: Klara und die Sonne
Ayad Akhtar: Homeland Elegien
Annette Mingels: Dieses entsetzliche Glück
Deniz Ohde: Streulicht
Adam Haslett: Stellt euch vor, ich bin fort
Mario Vargas Llosa: Harte Jahre
Birgit Birnbacher: Ich an meiner Seite
Adeline Dieudonné: Das wirkliche Leben
Ulrich Tukur: Ursprung der Welt
Dror Mishani: Drei
Eugen Ruge: Metropol
Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios
John Ironmonger: Der Wal und das Ende der Welt
Annette Hess: Deutsches Haus
Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall
Monica Sabolo: Summer
Nell Zink: Virginia
Annie Ernaux: Erinnerung eines Mädchens
Maria Cecilia Barbetta: Nachtleuchten
Stephan Thome: Gott der Barbaren
Fernando Aramburu: Patria
João Tordo: Die zufällige Biographie einer Liebe
Ayelet Gundar-Goshen: Lügnerin
Robert Menasse: Die Hauptstadt
Yaa Gyasi: Heimkehren
Edna O’Brien: Die kleinen roten Stühle
Lauren Groff: Licht und Zorn
Franzobel: Das Floß der Medusa
Julian Barnes: Der Lärm der Zeit
Dorit Rabinyan: Wir sehen uns am Meer
Nathan Hill: Geister
Ian McEwan: Nussschale
Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses
Han Kang: Die Vegetarierin
Steven Galloway: Der Illusionist
Jane Gardam: Ein untadeliger Mann
Elena Ferrante: Meine geniale Freundin
Joost Zwagerman: Duell
Dietmar Dath: Leider bin ich tot
Sascha Reh: Gegen die Zeit
Andreas Kollender: Kolbe
Yiyun Li: Schöner als die Einsamkeit
Monique Schwitter: Eins im andern
Maylis de Kerangal: Die Lebenden reparieren
Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter
Nadifa Mohamed: Black Mamba Boy
Amos Oz: Judas
Ludwig Winder: Der Thronfolger
Patrick Modiano: Gräser der Nacht
Carl Nixon: Settlers Creek
David Peace: GB84
Hilary Mantel: Die Ermordung Margaret Thatchers
Jhumpa Lahiri: Das Tiefland
Yasmina Reza: Glücklich die Glücklichen
Margriet de Moor: Melodie d'amour
Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah
Michael Chabon: Telegraph Avenue
Daniel Galera: Flut
Elizabeth Strout: Das Leben natürlich
Terézia Mora: Das Ungeheuer
Uwe Timm: Vogelweide
Leon de Winter: Ein gutes Herz
Ned Beauman: Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort
Juli Zeh: Nullzeit
Taiye Selasi: Diese Dinge geschehen nicht einfach so
Richard Ford: Kanada
Jenny Erpenbeck: Aller Tage Abend
Stephan Thome: Grenzgang
Ursula Krechel: Landgericht
Stephan Thome: Fliehkräfte
Clemens J. Setz: Indigo
Vea Kaiser: Blasmusik Pop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam
Germán Kratochwil: Scherbengericht
Véronique Olmi: In diesem Sommer
Toine Heijmans: Irrfahrt
Thomas von Steinaecker: Das Jahr, in dem ich aufhörte mir Sorgen zu machen und anfing zu träumen
Annette Pehnt: Chronik der Nähe
Anna Katharina Hahn: Am Schwarzen Berg
Olga Grjasnowa: „Der Russe ist einer, der Birken liebt
Eugen Ruge: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“
Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe
Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen
Aravind Adiga: Letzter Mann im Turm
Mario Vargas Llosa: Der Traum des Kelten
Javier Cercas: Anatomie eines Augenblicks
Thomas Wolfe: Die Party bei den Jacks
Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage
Michel Houellebecq: Karte und Gebiet
Jonathan Lethem: Chronic City
Siri Hustvedt: Der Sommer ohne Männer
Doron Rabinovici: Andernorts
Ian McEwan: Solar
Marie N´Diaye: Drei starke Frauen
Hans-Ulrich Treichel: Grunewaldsee
Richard Price: Cash
Colum McCann: Die große Welt
Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht
Leon de Winter: Das Recht auf Rückkehr

Alle Buchkritiken