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Mirko Bonné - Lichter als der Tag

Abb. © Verlag
Buchkritik

Olga Grjasnowa: "„Der Russe ist einer, der Birken liebt“

Sprachstark, mitreißend, konfliktgeladen
Hanser-Verlag, 2012, 288 Seiten.


Die Geschichte: Gut lesbar mit starkem Auftakt

Die aus Aserbaidschan stammende jüdische Sprachstudentin Mascha Kogan lebt mit ihrem Freund Elias in Frankfurt am Main. Als Elias völlig unerwartet stirbt, fühlt Mascha sich nicht nur verantwortlich. Sein Tod bricht in Mascha auch alte Wunden auf. In ihrer Kindheit war sie Zeuge von Progromen. Insbesondere ein Erlebnis hat sie zutiefst verstört. Nach Elias Tod verliert sich Mascha in einer zunehmend depressiven, desorganisierten Gemütsverfassung. Auch ihre beiden besten Freunde, der Araber Sami und der Türke Cem, vermögen sie kaum zu motivieren. Aller Ehrgeiz und alle berufliche Zielstrebigkeit kommen der hochintelligenten jungen Frau abhanden. Mit letzer Kraft schafft sie ihren Studienabschluss und zieht nach Tel Aviv, um dort zu arbeiten und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Eine Flucht ohne den erhofften Ausweg.


Themen des Buches: Fremdenfeindlichkeit, Nahostkonflikt und Progrome, Suche nach der Identität

Zwischen dem Leben der Autorin und ihrer Romanfigur gibt es viele Parallelen. Mit diesem Wissen wirken viele der Szenen und Themen beklemmend, denn sie zeigen ein sexistisches und in hohem Maße ausländerfeindliches Deutschland. Auch die blutige Gewalt und Grausamkeit, die Mascha als Kind erlebt hat, erschrecken. In Rückblicken erzählt Mascha von einer entsetzlichen Zeit in Aserbaidschan. Dieser sinnlosen Gewalt begegnen Mascha und der Leser auch in Israel wieder.


Die Bewertung: sprachgewaltig, aber nicht in allen Szenen und Figuren überzeugend

Die ersten 100 Seiten des Debütromans von Olga Grjasnowa bis zum Tod von Elias sind bewegend und mitreißend. Die in der Folge immer zahlreicher auftauchenden Figuren sind innerhalb unseres Lesekreises allerdings unterschiedlich bewertet worden: von "völlig überzeichnet" bis hin zu "wunderbar treffend geformt“. Die Meinungen zu dem Schreibstil reichten von „sprachgewaltig“ und „großartig“ bis zu „eher mäßig“. Die Vielzahl der Themen, die in dem Roman aufgegriffen werden, konnte die einen anregen und begeistern, auf andere wirkten die vielen Schwerpunkte von Identität, Nahostkonflikt und posttraumatischer Störung lediglich angerissen und wenig ausgearbeitet.


Unsere Bewertungen des Romans von Olga Grjasnowa spiegelten dieses heterogene Bild wieder: Mit der Vergabe von schwachen 2 Punkten bis hin zu starken 4,5 Punkten kamen wir auf eine Durchschnittsbewertung von 3,5 von 5 möglichen Punkten. ()

 

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