Literatur am Abend: Montag, 21. Mai 2012, 20 Uhr
Eugen Ruge: In Zeiten abnehmenden Lichts   
Buchkritik

Stefan Thome: "Grenzgang“

Die Geschichte


Thome schildert das Leben in einer hessischen Kleinstadt. Nicht chronologisch, sondern immer nur das, was sich an jeweils drei Tagen des „Grenzgang“- Festes, einem alle sieben Jahre stattfindenden Volksfest, ereignet. Insgesamt achtundzwanzig Jahre umspannt der Roman, er begleitet das Leben seiner beiden Haupt-Charaktere von 1985 bis 2013. Was sich in den Jahren dazwischen ereignet, erfahren wir durch die Erinnerungen der beiden Protagonisten.


Unsere Bewertung:


Unisono gefällt uns die Beschreibung und Entwicklung der beiden Haupt-Charaktere, besonders der Frau. Es ist beeindruckend, wie beide es schaffen, sich aus ihren alten Lebensentwürfen zu befreien und einen neuen Lebensabschnitt zu wagen. Auch wenn das kleinstädtische Umfeld bestehen bleibt. Wobei Thome ab und zu auch einfach den Zufall Regie spielen läßt – wie etwa, wenn die demente Mutter der Erzählerin stirbt und sie es so endlich schafft, sich aus der erdrückenden Enge des alten Hauses zu befreien und eine neue Liebe zu leben. Oder wenn sich beide voller Entsetzen in einem Provinz-Swingerclub begegnen – wunderbar beschrieben und für beide tatsächlich der Katalysator, um endgültig zueinander zu finden. Und so ist Grenzgang auch ein Buch über persönliche Grenzen, die jeder der Charaktere irgendwann überschreitet, überschreiten muss, um zum Glück zu finden.


Die Schwächen des Buches:


Die Beschreibung der drei Volksfeste ist zu detailliert und zu lang. Hier hätte Thome kürzen können. Auch die Sprache begeistert nicht durchweg.


Fazit:


"Grenzgang" ist ein Debüt mit einigen Tiefen und sehr vielen Höhen. Bei einer Skala von 1 bis 5 reicht die Bewertung innerhalb der Gruppe von der Höchstpunktzahl (5 = sehr gut) bis zu befriedigend( =3). Fest steht aber: In keinem Fall ist "Grenzgang" ein Roman über das Scheitern, wie es uns die Literatur-Kritik glauben lassen möchte, sondern ein Buch über die zweite Chance, die das Leben bieten kann.


Würden wir dieses Buch empfehlen?


Wir sagen Ja unter den vorab beschriebenen Einschränkungen. Und: Wir würden gerne mehr von Thome lesen.

 

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