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Mirko Bonné - Lichter als der Tag

Abb. © Verlag
Buchkritik

Uwe Timm: "Vogelweide“

eine bildungslastige Amour Fou, etwas blass
Kiepenheuer und Witsch Verlag 2013, 336 Seiten


Themen
Im neuen Roman von Uwe Timm geht es um Liebe, Treue und Begehren. Zwei Paare brechen auseinander und gruppieren sich vorübergehend neu. Ausgelöst durch eine ebenso unvernünftige wie unwiderstehbare Begierde wendet sich der Protagonist Christian Eschenbach von seiner Partnerin Selma ab und der gemeinsamen Freundin Anna zu. Anna, Mutter zweier Töchter und glücklich verheiratet mit Ewald, kann nicht anders, als dem Werben von Eschenbach nachzugeben. Ihr Verhältnis wird für ihn zu einer großen Erfüllung. Sie hingegen leidet unter der ihr plötzlich so überdimensional erscheinenden Beliebigkeit des Begehrens. Sie beendet die Amour Fou mit einem Kraftakt, verlässt Mann und Liebhaber und wandert nach Amerika aus. Eschenbach, der zeitgleich auch noch den Konkurs seiner Firma verkraften muss, muss sein Leben neu ausrichten. Von einem Marktforschungsinstitut finanziert beschäftigt er sich nun u.a. mit den Unterschieden von Liebe und Begehren, Ehe und Leidenschaft.


Inhalt
Der Roman "Vogelweide" spielt im Jahr 2011 auf der Insel Scharhörn, auf die sich Eschenbach für einen Sommer als Vogelwart einquartiert hat. Dort erhält er einen Anruf von Anna, die ihn auf der Insel besuchen möchte. Anlässlich des bevorstehenden Besuches kreisen Eschenbachs Gedanken und Erinnerungen um die Erlebnissen von vor sechs Jahren, als seine Affäre mit Anna endete, seine Beziehung mit Selma zerbrach und er mit seinem Unternehmen Konkurs anmelden musste.


Stil & Sprache
"Vogelweide" zeichnet sich durch den ruhigen und schönen Sprachstil von Uwe Timm aus. In Verbindung mit einem geglückten Romanaufbau aus mehrere Zeitebenen und Rückblenden lässt sich das Buch sehr gut lesen. Aber obwohl der Protagonist große Themen bewegt und bewältig (Tod, Konkurs, Verlust, Begierde ..), bleibt für den Leser die Lektüre doch wenig bewegend. Die eigentlich doch so relevanten Themen wirken eher lapidar und belanglos. Die Frauenfiguren im Roman bleiben enttäuschend blass, wenn nicht sogar befremdlich lieblos gezeichnet. Gerne würde man mehr über Anna oder auch Tochter oder Ex-Frau des Protagonisten lesen. Insgesamt wirkt der Plot und insbesondere das dramatische Ende der beiden Paarbeziehungen eher konstruiert. So bleibt im Ganzen der Eindruck eines schönes und leicht lesbaren, aber insgesamt doch eher konstruiert und wenig tiefgründiges Buches bestehen.


Bewertung
In unserem Lesekreis haben wir das Buch insgesamt durchschnittlich bewertet. Zwar wurden Stil und Sprache des Buches positiv bewertet (3,9 Punkten von 5 möglichen Maximalpunkten), dennoch fielen die Bewertungen für Dramaturgie (2,5 Punkte) und Themenauswahl (2,8 Punkte) leicht unterdurchschnittlich aus. Über alle unseren fünf Bewertungskriterien hinweg wurden von uns für Uwe Timms Vogelweide in Summe 3,0 Punkte vergeben. (bo)

 

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