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Andrej Longo: "Zehn“ Eichborn Verlag, 154 Seiten
Auswegslos, authentisch, berührend Neapel und die Herrschaft der Camorra hat mit Roberto Saviano und seinem Roman "Gomorrha" traurige Berühmtheit erfahren. Andrej Longo zeichnet in zehn kurzen, knapp erzählten Portraits nach, wie die Mafia das Leben der jungen Napolitaner bestimmt. Das ist in jeder Lage auswegslos: Sich raushalten, das geht nicht - niemand kann der Mafia entkommen. Sich mit Würde arrangieren, geht auch nicht - wen die Mafia hat, den gebraucht sie als Werkzeug für ihre Interessen. Und ist dabei erschreckend einfallsreich, wie Longo am Beispiel der lebenden Drogentester belegt. Die zehn Portraits orientieren sich an den Zehn Geboten. Doch diese hätte Longo überhaupt nicht gebraucht. Die Allmacht der Mafia geht über die biblischen Regeln hinaus. Napolitaner sind Leibeigene im Europa des 21. Jahrhunderts. Longo schreibt keine Reportagen. Jedes Portrait ist anders erzählt - mal als Erinnerungsbericht, mal als sich entwickelnde Geschichte. Fast immer gibt Longo dem Innenleben seiner Figuren viel Raum. Alternativ beschreibt er in knappen Worten die Handlungen der Sprachlosen - die, die notgedrungen die Umstände hinnehmen und sich doch auf ihre Art wehren. "Diese Geschichten erzählen mehr über Neapel als jeder Untersuchungsbericht", hat die italienische Zeitung Republicca geschrieben. In Italien hat Andrej Longo, früher Pizzabäcker und heute Drehbuchautor aus Neapel, für sein Werk bereits zahlreiche Literaturpreise erhalten. "Zehn" ist sein erstes in Deutsch übersetztes Buch. (ut) | |
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