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Mirko Bonné - Lichter als der Tag

Abb. © Verlag
Empfehlung

Carsten Jensen: "Rasmussens letzte Reise“

Düsterer, atmosphärisch dichter Künstlerroman
Knaus Verlag, München 2010, 352 Seiten


Carl Rasmussen wächst im 19. Jahrhundert in einer dänischen Großfamilie auf. Schon früh empfindet er die Malerei als Bestimmung seines Lebens und erkämpft sich allen Widerständen zum Trotz seinen Weg. Noch vor dem Studium an der Kunstakademie in Kopenhagen erkennt er die Kraft der Kunst, Menschen unterschiedlichster Natur zusammenzubringen und in diesem Kraftfeld zu einen. Er beschließt, fortan nur noch Schönes zu malen und der Hässlichkeit abzuschwören. Dies wird das Dogma seiner Kunst.


Nach seinem Studium an der Akademie bricht er als erster dänischer Maler nach Grönland auf, er folgt dem Ruf, nach dem jeder Künstler seinen ihm eignen Ort finden muss, um die Energie der Inspiration zu spüren. Die Reise nach Grönland wird eine Entdeckungsreise zu sich selbst, in die Malerei und in die eigene Seele. Als bekannter und alternder Maler tritt er noch einmal die Reise nach Grönland an, auf der Suche nach der Energie, die ihn dort einst durchströmte, denn es scheint, als habe er jegliche Fähigkeit zur Inspiration im Laufe seines Lebens verloren.


Der Roman wird von einer bedrückenden Stimmung getragen, Fragen nach dem elementaren Inhalt des Lebens stehen im Vordergrund. Der Protagonist begibt sich auf die Suche nach Erfüllung, Liebe, Ästhetik und Schönheit und wird dabei immer wieder von Selbstzweifeln, Schuld und der Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens eingeholt. Ebenso entwickelt sich dabei die Frage, inwieweit seine künstlerische Motivwahl diese Zweifel reflektiert.


Carsten Jensen schreibt atmosphärisch dicht über den ewigen Kampf zwischen der Realität und den geistig formulierten Ansprüchen an das eigene Leben. Der innere Aufruhr steht klar im Mittelpunkt des Romans und findet immer wieder in der Kunst, der Natur und den anderen Menschen und Künstlern die Anstöße zur Auseinandersetzung.


Wer kennt nicht die Fragen, die in diesem Roman gestellt werden? Es sind Fragen nach Lebenslügen, eigenen Kompromissen, der heilenden Kraft der Kunst und einer ewigen Diskrepanz zwischen Pragmatismus und Erfüllung. „Carsten Jensen ist für mich ein einzigartiger Geschichtenerzähler.“ (Henning Mankell)

(emm)

 

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