Literatur am Abend: Montag, 15. Januar, 20 Uhr
Mirko Bonné - Lichter als der Tag

Abb. © Verlag
Empfehlung

Daniel Kehlmann: "F“

Gegenwartsroman über drei extreme Brüder
Rowohlt Verlag, 2013, 384 Seiten


Nachdem Kehlmann das Publikum mit historischer Literatur begeisterte, wendet er sich mit „F“ erneut der Gegenwart zu. Wird unser Leben von Zufall, Schicksal, Gene, Glauben oder etwa durch die sich selbst erfüllende Prophezeihung bestimmt?


Kehlmann schickt die drei Brüder Martin, Erik und Iwan hinaus, um es an unserer Stelle herauszufinden. Mit unterschiedlichen Talenten ausgestattet, früh vaterlos geworden, nimmt jeder das Leben auf eigenwillige Weise in die Hand.


Der paranoide Erik entspricht ganz dem Abziehbildchen des erfolgreichen Yuppies, in dem sich - besonders vor der Bankenkrise - noch sämtliche Begehrlichkeiten postmoderner Bürger spiegelten. Zwar fühlt er sich von Kameras beobachtet und übersteht keinen Tag ohne Beruhigungsmittel, doch niemand aus seiner beruflichen und privaten Seifenblase merkt das. Sein Zwilling Iwan lebt sein verschrobenes Erbe kreativ aus: Er ist Maler, dabei ist er zu uneitel, um in die allererste Liga der Kunstszene aufzusteigen – oder doch nicht? Der dritte im Bunde, Martin, hat nur ein einziges Talent: Den Zauberwürfel umschrauben. Und auch darin war der Priester, der sich in einer unendlichen Glaubenskrise befindet, früher einmal besser. Er kann sich durch die Beichten, die er abnehmen muss, nur mit enormen Schokoladenrationen retten. Eines Tages erfährt er dabei von einem mysteriösen Totschlag.


Obwohl er seinen Roman mit gewohnt informativen Ausflügen in die jeweiligen Berufsfelder spickt, wirft Kehlmann doch einige nicht beantwortbare, bewegende Fragen auf: Was ist eine Fälschung? Und wenn, was ist „echt“? Oder ist unsere Wirklichkeit sowieso nur, was wir uns einreden (lassen)? (az)

 

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