Literatur am Abend: Montag, 12. März, 20 Uhr
Edna O'Brien - Die kleinen roten Stühle

Abb. © Verlag
Empfehlung

Daniel Kehlmann: "Tyll“

Düster – Authentisch – Distanziert
Rowohlt, 2017, 480 Seiten


Tyll Eulenspiegel, der Inbegriff derben Humors aus dem Mittelalter, wird in den Dreißigjährigen Krieg versetzt. So unklar der Sinn dieses kreativen Manövers bleibt, so wenig kann sich der Leser emotional der Figur Eulenspiegel und den anderen Charakteren annähern. Plastisch wird allein neben Schnee, Schlamm, Hunger und Krankheit die Sinnlosigkeit und das Elend des Krieges. Ein Ziel, das der Autor in gewohnt „überbrillianter“ Sprache und perfekter Komposition mühelos erreicht.


Klappentext: Tyll Ulenspiegel - Vagant und Schausteller, Entertainer und Provokateur - wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einem Dorf geboren, in dem sein Vater, ein Müller, als Magier und Welterforscher schon bald mit der Kirche in Konflikt gerät. Tyll muss fliehen, die Bäckerstochter Nele begleitet ihn.

Auf seinen Wegen durch das vom Dreißigjährigen Krieg verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, der für sein Leben gern den Krieg kennenlernen möchte, dem melancholischen Henker Tilman und Pirmin, dem Jongleur, dem sprechenden Esel Origines, dem exilierten Königspaar Elizabeth und Friedrich von Böhmen, deren Ungeschick den Krieg einst ausgelöst hat, dem Arzt Paul Fleming, der den absonderlichen Plan verfolgt, Gedichte auf Deutsch zu schreiben, und nicht zuletzt dem fanatischen Jesuiten Tesimond und dem Weltweisen Athanasius Kircher, dessen größtes Geheimnis darin besteht, dass er seine aufsehenerregenden Versuchsergebnisse erschwindelt und erfunden hat.

Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg. Und um wen sollte es sich entfalten, wenn nicht um Tyll, jenen rätselhaften Gaukler, der eines Tages beschlossen hat, niemals zu sterben.


(ak)

 

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