Literatur am Abend: Montag, 15. Januar, 20 Uhr
Mirko Bonné - Lichter als der Tag

Abb. © Verlag
Empfehlung

Mo Yan: "Frösche“

Burlesk, grotesk, traumatisch
Hanser Verlag, 512 Seiten, 2013


Der autobiografisch inspirierte Text erzählt von den Konsequenzen der Ein-Kind Politik für die chinesische Gesellschaft seit den 1950er Jahren. Der Ich-Erzähler, ein einfacher Schriftsteller aus der ostchinesischen Provinz, berichtet überschwänglich die Lebensgeschichte seiner linientreuen Tante.


Der Bericht beginnt in den Hungerjahren um 1960. Die aufgeklärte junge Hebamme Gugu bringt in Sachen Geburtshilfe die Moderne in die Dörfer. Ihr Können wird insbesondere gebraucht, als nach dem Ende der Hungerzeit ein Babyboom einsetzt. Anfang der 80'er Jahre jedoch wird die Ein-Kind-Politik eingeführt. Mittels rigoroser Geburtenkontrolle soll die drohende Bevölkerungsexplosion vermieden und künftiger wirtschaftlicher Fortschritt ermöglicht werden. Im Dienst für Partei und Vaterland wird jetzt aus der mitfühlenden Frauenärztin ein «ausführendes Organ der Geburtenkontrolle».


Gugu macht blutige Jagd auf alle, die sich den Vorgaben der Ein-Kind-Politik nicht fügen. Als Vertreterin des Fortschritts kämpft sie für die Verbesserung der Lebensverhältnisse und ist doch für individuelle Katastrophen verantwortlich. Der Roman spannt den Bogen über fünf Jahrzehnte bis in die Gegenwart, wo im heutigen chinesischen Staatskapitalismus ein zwielichtiger Markt für Zweitkinder entstanden ist.


Sprachstil
Erzählt wird eine Fülle von burlesken, grotesken und traumatischen Episoden aus den Lebenswegen von Tante und Neffe. Der Sprachstil des Buchs ist geprägt von launigen Dialogen und satirischen Übertreibungen. Es reihen sich grausige Szenen an humorige Anekdoten. Für diesen burlesken Sprachstil wurde wohl der Begriff "daft hilarity", der dümmlichen Lustigkeit, geprägt. Das ist zwar leicht zu lesen, aber nur schwer zu genießen.


Bewertung
Auch wenn der Sprachstil der Lektüre eher hinderlich ist, so hat mich doch das Thema des Buches und die Auseinandersetzung des Autoren mit der chinesischen Ein-Kind-Politik gebannt. Die Vorwürfe an den nobelpreisgekürten Autoren, er sei ein Opportunist des chinesischen Regimes und dem System letztlich zu nahe, kann ich nach Lektüre dieses Buches nicht teilen.


Abb. Mo Yan, Frösche. In der Übersetzung von Martina Hasse
© 2013 Carl Hanser Verlag München


Leseprobe Hanser Verlag (PDF) (aw)

 

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