Literatur am Abend: Montag, 21. Mai 2012, 20 Uhr
Eugen Ruge: In Zeiten abnehmenden Lichts   
Empfehlung

Philip Roth: "Nemesis“

Tragisch, einfühlsam, angenehm altmodisch
Carl Hanser Verlag, 2011, 222 Seiten



Nemesis - in der griechischen Mythologie ist Nemesis die Göttin des „gerechten Zorns“


Tatsächlich hat die ahnungslose Verstrickung des Helden, eines jungen jüdischen Sportlehrers, in die Katastrophe viel von einer griechischen Tragödie.


Nemesis spielt im brütend heißen Sommer von 1944 in Newark. Dort bricht Kinderlähmung aus, und keiner weiß, wie er sich schützen kann. Der Sportlehrer Bucky Cantor, der sich aus einer düsteren Kindheit nach oben gearbeitet hat, will seinen Schülern helfen.


Doch Pflichtgefühl, die Angst vor der sich unter seinen Schülern rasch ausbreitenden tödlichen Erkrankung und die Liebe zu einer jungen Lehrerin lassen sich nicht vereinen. Bucky wird seinen eigenen Idealen nicht gerecht. Die Epidemie zerstört sein Leben.


Roth beschreibt seinen Helden mit großer Präzision, Ausführlichkeit und Einfühlsamkeit, ohne zu langweilen. Der vorgezeichnete Weg in die Katastrophe hat eine enorme Sogwirkung.


Der Leser teilt zudem den "gerechten Zorn" des Sportlehrers über diese unbarmherzige Krankheit und seine immer größer werdende Besorgnis, das Falsche zu tun. Denn Roths Romane haben selten ein Happy End. (ut)

 

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