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Buchkritik

Adeline Dieudonné: "Das wirkliche Leben“

Von Jägern und Gejagten
dtv Verlagsgesellschaft, 2020, 240 Seiten


Darum geht es:

Biederkeit und Tristesse liegen über der lieblos in die belgische Landschaft gesetzten Siedlung, in der Adeline Dieudonné ihren ersten Roman spielen lässt. Und im hellsten der Häuser herrschen in Wahrheit Düsternis und eine beklemmende Abwesenheit emotionaler Nähe.

Hier lebt die zehnjährige Protagonistin mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder. Sein sorglos kindliches Lachen ist so etwas wie der Klang des Lebens in dieser Welt aus sprachloser Enge. Es wird jedoch jäh erstickt durch ein tragisches Ereignis.

Fortan unternimmt die Schwester alles, um dem kleinen Gilles sein Lachen zurückzugeben. Zuerst mit kindlicher Fantasie, über die Jahre mit einem immer reifer werdenden Blick auf sich, das Leben, die Liebe. Eine Coming-of-Age-Geschichte, in der Jäger zu Gejagten werden und an deren Ende zwar kein Happy End steht, wohl aber eine Befreiung.


So klingt der Roman:
Sina de Malafosse hat als Übersetzerin des französischen Originals von Adeline Dieudonné ganze Arbeit geleistet. Bildhaft und reich an Metaphern entwickelt der Roman einen ganz eigenen Sound. Drastische Szenen familiärer Gewalt erhalten etwas beinahe Tarantino-haft Magisches. Und der Spannungsbogen hält bis zum Schluss.


Das ist unsere Meinung:
Die meisten in unserer Runde hat „Das wirkliche Leben“ gefesselt und begeistert. Einigen schien der Plot ein wenig konstruiert, die Handlung vorhersehbar und der Roman zu simpel aufgebaut. Spannend, einfühlsam und sprachlich gekonnt, so empfand hingegen das Gros des Shortlist-Zirkels die Lektüre.


Fazit:
Mit 3,7 von 5 möglichen Punkten hat „Das wirkliche Leben“ so gut abgeschnitten wie nur wenige Bücher auf der Hamburger Shortlist. Der Roman hatte auch die professionelle Kritik überzeugt. Und Adeline Dieudonné gilt seit diesem Romandebut insbesondere im französischsprachigen Raum als Shooting-Star der Literatur.
(AT)

 

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