Buchkritik, Rezension
Jane Gardam: Ein untadeliger Mann

Erster Teil einer Trilogie, in der die Autorin das bewegte Leben eines britischen Gentlemans beschreibt. Bei unserer Diskussion stellte sich sehr schnell heraus, dass man dieses Buch entweder sehr mag oder wenig damit anfangen kann. Wer diesen Roman gerne liest, wird auch den Nachfolger schätzen.






Abb. © Verlag

Bewertung der hamburgerShortlist:

3.1 von 5 Punkten




Buchkritik von bk

Leicht zu lesende, bewegte und bewegende britische Lebensgeschichte
Hanser Berlin, 346 Seiten


Mit einer kurzen Unterhaltung zweier Mitglieder in der Londoner Honourable Society of Inner Temple über Old Filth beginnt Jane Gardam den ersten Teil ihrer Triologie, in dem sie anhand zweier Erzählstränge die Lebensgeschichte des britischen Gentlemans Edward Feathers beschreibt.


Inhalt:
Durch den plötzlichen Tod seiner Ehefrau Betty brechen langverdrängte Erinnerungen in Edward auf, die in Rückblenden erzählt werden. Da ist seine Kindheit als Raj-Waise in Malaysia, die kurze Unterbringung in einer Pflegefamilie in England und seine Jugend auf einem Internat; danach sein Studium, seine Erlebnisse während des zweiten Weltkrieges und seine juristische Karriere als Kronanwalt in Hong Kong. Frisch verwitwet macht sich Edward nun auf den Weg, seine Cousinen zu besuchen und sich seinen Erinnerungen zu stellen.


Bewertung:
Bei der Besprechung in unserer Runde stellte sich sehr schnell heraus, dass man dieses Buch entweder sehr mag oder wenig damit anfangen kann. Für die einen ist die Lebensgeschichte Edwards zu ereignisreich und damit unglaubwürdig, für die anderen sind die einzelnen Episonden warmherzig und unterhaltsam erzählt. Den einen gefiel die Leichtigkeit nicht, mit der Jane Gardam auch die tragischen Lebensabschnitte erzählt, für die anderen macht gerade diese das Besondere an diesem Roman aus. Für die einen ist Edward Feathers ein kauziger, aber liebenswerter, alter Mann, für die anderen ist er unhöflich und ignorant. Die einen fanden den Sprung zwischen den beiden Erzählsträngen leicht und mochten die offen gebliebenen Geheimnisse, die anderen taten sich mit dem Wechsel und den fehlenden Auflösungen schwer.


Einig waren wir uns allerdings darin, dass wir die überschwenglichen Kritiken, die Jane Gardams Roman als Meisterwerk feiern und mit Werken wie „Der große Gatsby“ und „Abbitte“ auf eine Stufe stellen, nicht nachvollziehen können. Insgesamt vergaben wir 3,1 von 5 Punkten und meinen: Wer „Ein untadeliger Mann“ gern gelesen hat, wird auch den zweiten Teil der Trilogie „Eine treue Frau“ sehr mögen.