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Empfehlung

Charles Lewinsky: "Gerron“

Spannend, dramatisch, erschreckend

Nagel & Kimche, 2011, 540 Seiten


Das Buch erzählt die Lebensgeschichte des jüdischen UFA-Stars Kurt Gerron. Gerron hat die Greuel des ersten Weltkriegs als verwundeter Soldat überlebt, hat im Berlin der 30er Jahre mit Stars wie Marlene Dietrich und Bertolt Brecht als Schauspieler und Regisseur gearbeitet und wird schließlich gemeinsam mit seiner Frau Olga im Konzentrationslager Theresienstadt inhaftiert.


Über dieses Lager soll er einen Propagandafilm für die Nationalsozialisten drehen. Damit beginnt der Roman.


Der Autor lässt Gerron diese Lebensgeschichte (samt seinen ständigen Zweifeln nach dem richtigen Weg) selbst erzählen. Gelungen verknüpft er Rückblicke aus Gerrons Leben, seiner Jugend, von seiner Kriegsverletzung, dem Glück des Theaterspielens, von seiner großen Liebe zu Olga und von den wachsenden Schrecken und den Grausamkeiten des Nationalsozialismus und deren Vertreibungs- und Tötungsmaschinerie, die ihn schließlich auch erreicht.

Lewinsky hat Kurt Gerron, der in die Geschichte als Nazi-Kollaborateur eingegangen ist, in seinem faktenreichen und doch erfundenen Roman als ausgesprochen sympathischen, guten Menschen dargestellt, dessen Leben gleichermaßen von Glück wie Unglück geprägt ist.


Immer wieder hinterfragt Gerron dabei seine eigene Handlungsweise, sich mit den entsetzlichen Gegebenheiten zu arrangieren und für sich selbst das Beste daraus zu machen. So könnte der geplante Propagandafilm ihn, Olga und die Mitspieler zumindest zeitweise vor Ausschwitz und dem sicheren Tod bewahren. Was tun? Und so entfaltet das Buch seinen Sog.


Nicht unbedingt auf jeder Seite große Literatur, aber in jedem Fall, so auch die FAZ, „großes Kino“.
(ut)

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