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Buchkritik

Annette Mingels: "Der letzte Liebende“

Dieser einsame „alte weiße Mann“ weckt bei uns wenig Empathie
Penguin, 2023, 300 Seiten


Annette Mingels haben wir schon 2020 gelesen - damals gefielen uns besonders Stil und Sprache der Autorin. Das ist jetzt nicht anders.


Inhalt und Aufbau:
Annette Mingels gliedert ihren Roman in drei Teile.

Im ersten Teil lernen wir die Hauptfigur Carl Kruger kennen. Er lebt mit seiner todkranken Frau Helen getrennt auf zwei Etagen eines Apartments. Adoptivtochter Lisa besucht ihre Mutter täglich. Die Eheleute haben sich nichts mehr zu sagen; Helen stirbt ohne Versöhnung.


Im zweiten Teil machen sich Carl, der früh in den Westen und später in die USA emigrierte, gemeinsam mit Lisa und dem Enkel auf die Reise nach Ostdeutschland und Polen zu den Herkunftsländern der Familie.


Im dritten und letzten Teil des Buches geht es um Carl als Inspiration zu einer Hauptfigur in einem gerade erschienenen Roman, der von seinem ehemaligen Kollegen und Freund geschrieben wurde und dem Leser noch weitere Einblicke in Carls Leben und seine zahlreichen Affären eröffnet, viele davon auch mit Studentinnen in seiner Position als Universitätsprofessor.


Bewertung:
„Der letzte Liebende“ hat überwiegend gute Rezensionen erhalten.


Deutschlandfunk Kultur zum Beispiel erkennt an, wie Mingels hier Verlust, Heimatlosigkeit und Todesnähe umschreibt und dabei die Zeiten geschickt verschränkt.


Die shortlist war sehr gespalten in der Bewertung. Während eigentlich alle das Thema im Ansatz interessant fanden, konnten nur wenige sich mit dem unsympathischen, uneinsichtigen und egoistischen Protagonisten anfreunden. Daneben störte viele von uns der langatmige Plot. Daher wurde das Buch auch von den wenigsten gern gelesen.


Mit 3,2 Punkten von 5 möglichen insgesamt erreichte „Der letzte Liebende“ in Summe eine durchschnittliche Bewertung. Lediglich für Annette Mingels Stil und Sprache gab es durchweg hohe Noten. (AD)

 

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