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Mirko Bonné - Lichter als der Tag

Abb. © Verlag
Buchkritik

Harper Lee: "Gehe hin, stelle einen Wächter“

Belangloser Vorgänger von „Wer die Nachtigall stört“
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), 2015, 320 Seiten

Harper Lee hat bisher nur einen Roman veröffentlicht, doch dieser hat der US-amerikanischen Schriftstellerin Weltruhm eingebracht: "Wer die Nachtigall stört", erschienen 1960 und ein Jahr später mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet, ist mit 40 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen eines der meistgelesenen Bücher weltweit.


Handlung:
"Gehe hin, stelle einen Wächter" spielt 20 Jahre später, im Amerika der 1950er-Jahre. Die 26jährige Jean Louise Finch besucht ihre Familie in ihrem Heimatort in Alabama und muss entdecken, dass ihr Vater Atticus nicht mehr ihrem Bild aus Kindheitstagen entspricht. Statt Toleranz, Gleichheit und Vorurteilsfreiheit für alle Menschen zu vertreten, setzt er sich nun politisch vehement gegen die Aufhebung der Rassentrennung ein. Es kommt zu einem großen Streit zwischen Tochter und Vater.


Diese Auseinandersetzung findet allerdings erst auf den letzten Seiten des Buches statt. Bis dahin plätschert die Geschichte vor sich hin. Beschaulich wird die heimatliche Umgebung der Familie Finch beschrieben. Ausführlich, fast schon langatmig wird der Leser über die gesellschaftlichen und moralischen Umstände der damaligen Zeit samt den Problemen einer Jugendlichen in den 50ern informiert.


In diese eher schlichte Backfischthematik streut die Autorin zum Ende Einsichten und eine politisch fragwürdige Argumentation des Vaters gegen die Aufhebung der Rassentrennung. Weder der als Höhepunkt gedachte Streit zwischen Tochter und Vater noch die anschließende Versöhnung sind dann wirklich überraschend und überzeugend.


Stil und Dramaturgie
Diese Geschichte lässt sich flüssig lesen, ohne besonders Highlights beim Erzähl- und Sprachstil. Dass man das Buch lesen sollte fanden allerdings nur die aus unserer Gruppe, die auch „Wer die Nachtigall stört“ kannten und so ein Wiedersehen mit den Figuren feiern konnten. Bei den anderen überwog Erstaunen ob einer sehr belanglosen dünnen Geschichte und Novelle.


Bewertung:
Die Bandbreite der Bewertung reichte daher auch von 1,2 bis zu 4,3 Punkten - und ergab einen Durchschnitt von 3,2 Punkten (Höchstzahl 5). (bk)

 

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