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Mirko Bonné - Lichter als der Tag

Abb. © Verlag
Buchkritik

Margriet de Moor: "Melodie d'amour“

Gut konstruiertes, aber eher schwaches altbackenes Alterswerk
Carl Hanser Verlag, 2014, 384 Seiten


Handlung:
In Margriet de Moors Roman Mélodie d'amour geht es um die verschiedenen Spielarten der Liebe: der Liebe zwischen Menschen, die in einer langen Beziehung leben, der Liebe als Obsession, der Liebe zwischen Geschwistern, der freundschaftlichen und der platonischen Liebe. Ihr Panaorama entfaltet die Autorin in vier voneinander unabhängigen Kapiteln um den Rotterdamer Stadtarchäologen Luuk Doesburg, der allerdings nicht im Mittelpunkt des Buches steht. Die Geschichten drehen sich vielmehr um Menschen, die Luuk lieben.


  • In der ersten Geschichte ist Luuk der Teenager-Sohn, der Zeuge wird, wie sein Vater Gustaaf die Mutter Atie mit der Untermieterin betrügt. Dabei führen die Eltern eine gute Ehe und Gustaaf wird niemals aufhören, Atie zu lieben, auch nachdem Atie die Scheidung verlangt hat.
  • In der zweiten Geschichte erzählt die Lehrerin Cindy von ihrer Liebe zu dem nun 20 Jahre älteren und verheirateten Luuk. Er lässt sich auf eine Affäre mit ihr ein. Als er sich ihr zu entziehen beginnt, überschreitet sie die Grenze zum Stalking.
  • Im dritten Kapitel erzählt die Geliebte von Luuk die Geschichte der Liebe ihres Lebens. Dies ist nicht Luuk, sondern ihr früh verstorbenen Bruder Rogier, der sie nach dem frühen Tod der Eltern großgezogen hat.
  • Luuks Frau Myrte ist die Erzählerin der vierten Geschichte über die Liebe und in dieser findet ihr Mann mit keinem Wort Erwähnung. Sie erzählt vom Vater einer Freundin, ein berühmter Wasserbau-Architekt. Er war vor vier Jahrzehnten Myrtes große – platonische - Liebe.

Stil und Aufbau:
„Das Wie ist nicht das Warum“ hat Margriet de Moor als Motto ihrem Roman vorangestellt. Und dieser Gedanke mag der Schlüssel zum Buch sein. Für viele Handlungen im Buch gibt es keine Erklärungen oder Begründungen. Es geht nur um die Geschichte an sich und die Art, wie sie erzählt wird.


Es wird im Buch nicht geurteilt oder bewertet. Die Freiräume in den Beschreibungen sollen die Leser selber füllen. Eine Identifikation mit den Protagonisten ist damit aufgrund der fehlenden Perspektiven schwierig. Denn die vier Kapitel sind aus unserer Sicht zu wenig miteinander verwoben. Die vier Strophen der Melodie d'Amour empfinden wir als mehr oder weniger unabhängige Teile, die als eigene Bücher stehen könnten.


Bewertung:
Insgesamt erscheint uns das Buch als ein eher schwächeres Alterswerk einer ansonsten bemerkenswerten Autorin. In gewohnt präziser Sprache findet sie auch in diesem Werk schöne Bilder. Die Geschichten aber werden in der zweiten Buchhälfte weniger interessant.


Und eine eher altbackene Weltanschauung, in der die Frauen und Geliebten zu Hause dem Wohle des Mannes verpflichtet sind, scheint uns etwas aus der Zeit gefallen zu sein. In unserem Leserkreis wurden dem Buch mehrheitlich schwache zwei Punkte vergeben. Mit der Unterstützung der Margriet de Moor-Fans ist das Buch aber letztendlich in unserem Leserkreis mit 3,0 Punkten bewertet worden. ()

 

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