Literatur am Abend: Montag, 8. November, 19.30 Uhr
Kazuo Ishiguro: Klara und die Sonne


Abb. © Verlag
Buchkritik

Annette Mingels: "Dieses entsetzliche Glück“

Brüchige Beziehungen
Penguin Verlag 2020, 352 Seiten


Buch:
Annette Mingels erzählt in ihrem Buch „Dieses entsetzliche Glück“ vom Leben in der amerikanischen Kleinstadt Hollyhock. Die Stadt ist fiktiv, Mingels siedelt sie in Virginia an, an der amerikanischen Ostküste mit einem „überschaubaren Zentrum, von dem die Wohnstraßen abzweigten, wie die Äste eines Stammes“. Hierhin sind die Protagonisten des Buches gezogen, sind hier aufgewachsen, kommen zurück. Annette Mingels erzählt in 15 lose verknüpften Episoden aus ihrem Leben.


Handlung:
Eine zentrale Figur des Buches ist der junge Schriftsteller Kenji. Kenji hat japanische Wurzeln und ist in mehreren Episoden als Hauptfigur und auch als Nebenfigur präsent.


Keji hat einen Bestseller geschrieben, in dem er seine Jugendliebe zu Lucy und seine schwierige Freundschaft mit Basil aufarbeitet. Lucy, Basil, dessen Familie und deren Sichtweise kennt der Leser aus eigenen Episoden. Wie Puzzlestücke fügen sich die einzelnen Geschichten ineinander und nehmen den Leser gefangen.


Autorin:
Mingels ist Jahrgang 1971, hat als Journalistin und Autorin gearbeitet, und lebt aktuell mit Mann und drei Kindern in San Francisco. In ihrem Buch erzählt sie so auch vom Leben der amerikanischen Mittelschicht.


Tatsächlich könne sich vieles aber auch genauso in Delmenhorst oder Blankenese abspielen, sagt Mingels in einem Interview : „Die Menschen in diesen Short Stories haben universelle Probleme, die überall auf der Welt passieren können“.


Sechs Romane hat Annette Mingels bislang verfasst, Ehe und Familie spielen darin eine wichtige Rolle.


Stil:
Gemeinsam ist den Geschichten jeweils ein grandioser Anfang – und dass sie oft im Offenen enden. Und selten ist der Lebensentwurf trotz aller Mühen und Anstrengungen geglückt. Krankheit, Tod, unglückliche und sprachlose Paare: Die Geschichten lassen einen oft sehr melancholisch zurück.


Annette Mingels schreibt dabei sehr detailliert, zeichnet Gefühle und Beziehungen einfühlsam und doch unaufgeregt nach. „Der typische Mingels-Satz entfaltet seinen Zauber, seine Lebensklugheit und psychologische Präzision im leicht verzögerten Nachhall - dann aber umso stärker“, formuliert treffend die Wochenzeitung Die Zeit.


Bewertung:
Auch von unserer Gruppe wurden Stil und Sprache wurden einheitlich gelobt. Die Konstruktion als Episodenroman fanden wir ebenfalls alle gut. Allerdings ging einigen von uns nach der Hälfte des Buches der Überblick und damit auch die Spannung verloren. In Summe erreichte „Dieses entsetzliche Glück“ daher 3,4 von 5 Punkten. (ut)

 

Weitere Kritiken:

Ayad Akhtar: Homeland Elegien
Deniz Ohde: Streulicht
Adam Haslett: Stellt euch vor, ich bin fort
Mario Vargas Llosa: Harte Jahre
Birgit Birnbacher: Ich an meiner Seite
Adeline Dieudonné: Das wirkliche Leben
Ulrich Tukur: Ursprung der Welt
Dror Mishani: Drei
Eugen Ruge: Metropol
Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios
John Ironmonger: Der Wal und das Ende der Welt
Annette Hess: Deutsches Haus
Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall
Monica Sabolo: Summer
Nell Zink: Virginia
Annie Ernaux: Erinnerung eines Mädchens
Maria Cecilia Barbetta: Nachtleuchten
Stephan Thome: Gott der Barbaren
Fernando Aramburu: Patria
João Tordo: Die zufällige Biographie einer Liebe
Ayelet Gundar-Goshen: Lügnerin
Robert Menasse: Die Hauptstadt
Yaa Gyasi: Heimkehren
Edna O’Brien: Die kleinen roten Stühle
Lauren Groff: Licht und Zorn
Franzobel: Das Floß der Medusa
Julian Barnes: Der Lärm der Zeit
Dorit Rabinyan: Wir sehen uns am Meer
Nathan Hill: Geister
Ian McEwan: Nussschale
Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses
Han Kang: Die Vegetarierin
Steven Galloway: Der Illusionist
Jane Gardam: Ein untadeliger Mann
Elena Ferrante: Meine geniale Freundin
Joost Zwagerman: Duell
Dietmar Dath: Leider bin ich tot
Sascha Reh: Gegen die Zeit
Andreas Kollender: Kolbe
Yiyun Li: Schöner als die Einsamkeit
Monique Schwitter: Eins im andern
Maylis de Kerangal: Die Lebenden reparieren
Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter
Nadifa Mohamed: Black Mamba Boy
Amos Oz: Judas
Ludwig Winder: Der Thronfolger
Patrick Modiano: Gräser der Nacht
Carl Nixon: Settlers Creek
David Peace: GB84
Hilary Mantel: Die Ermordung Margaret Thatchers
Jhumpa Lahiri: Das Tiefland
Yasmina Reza: Glücklich die Glücklichen
Margriet de Moor: Melodie d'amour
Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah
Michael Chabon: Telegraph Avenue
Daniel Galera: Flut
Elizabeth Strout: Das Leben natürlich
Terézia Mora: Das Ungeheuer
Uwe Timm: Vogelweide
Leon de Winter: Ein gutes Herz
Ned Beauman: Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort
Juli Zeh: Nullzeit
Taiye Selasi: Diese Dinge geschehen nicht einfach so
Richard Ford: Kanada
Jenny Erpenbeck: Aller Tage Abend
Stephan Thome: Grenzgang
Ursula Krechel: Landgericht
Stephan Thome: Fliehkräfte
Clemens J. Setz: Indigo
Vea Kaiser: Blasmusik Pop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam
Germán Kratochwil: Scherbengericht
Véronique Olmi: In diesem Sommer
Toine Heijmans: Irrfahrt
Thomas von Steinaecker: Das Jahr, in dem ich aufhörte mir Sorgen zu machen und anfing zu träumen
Annette Pehnt: Chronik der Nähe
Anna Katharina Hahn: Am Schwarzen Berg
Olga Grjasnowa: „Der Russe ist einer, der Birken liebt
Eugen Ruge: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“
Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe
Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen
Aravind Adiga: Letzter Mann im Turm
Mario Vargas Llosa: Der Traum des Kelten
Javier Cercas: Anatomie eines Augenblicks
Thomas Wolfe: Die Party bei den Jacks
Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage
Michel Houellebecq: Karte und Gebiet
Jonathan Lethem: Chronic City
Siri Hustvedt: Der Sommer ohne Männer
Doron Rabinovici: Andernorts
Ian McEwan: Solar
Marie N´Diaye: Drei starke Frauen
Hans-Ulrich Treichel: Grunewaldsee
Richard Price: Cash
Colum McCann: Die große Welt
Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht
Leon de Winter: Das Recht auf Rückkehr

Alle Buchkritiken