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Buchkritik

Eckhard Nickel: "Spitzweg“

Dünn, bemüht und selbstverliebt
Piper, 2022, 256 Seiten


Über das Buch:

In der Coming-of-Age-Story spielen drei Gymnasiast*innen ihrer Kunstlehrerin einen Streich, in dem einige bekannte Kunstwerke en passant auftauchen. Unter anderem die „Ophelia“ von Millais und Spitzwegs „Gähnender Wachposten“.


Der vom Ich-Erzähler bewunderte Mitschüler Carl gibt sich als kunstgeschichtlicher Connaisseur, seine Betrachtungen stehen im Zentrum der in den 80er-Jahren angesiedelten Geschichte. Kirsten ist die Malerin in diesem Trio - und die meiste Zeit verschwunden. Verhandelt wird die Frage, wie viel Künstlichkeit unser Leben und unsere Wahrnehmung prägen.


Über den Autor:

Der 1966 in Frankfurt am Main geborene Autor studierte in Heidelberg und New York Kunstgeschichte und Literatur und arbeitet als Feuilletonist für SZ und FAZ. Seine Bücher (u.a. Hysteria, Ferien für immer) werden der Popliteratur zugeordnet. Seine Spezialität sind Textsimulationen, also Texte, die nur vorgeben, sich mit sich selbst zu befassen.


Bewertung:

Weil das Buch kaum Handlung bietet und ganz auf kunsthistorische Anspielungen und die Inszenierung romantischer Gefühle setzt, haben wir uns vor allem mit dem Gehalt der angebotenen Elaborate beschäftigt. Dieser erschien uns auch nach einer längeren Diskussion als zu dünn, bemüht und selbstverliebt, um Anregung zu bieten.


Die Figuren „befleißigen“ sich einer manierierten, biedermeierlichen Sprache, die nicht in die Zeit von Sunkist und Raider passt. Das Kreisen um eine Künstlichkeit, neben der ein aufblasbares Plastikeinhorn lebendig wirkt, hatte etwas Ermüdendes, das die Spannungskurve und unser Interesse am Gebotenen unter Null drückte.


So fiel auch am Ende die Wertung aus: 1,38 Punkte von 5 möglichen für einen Roman, dessen Erscheinen auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2022 wir uns nicht erklären können. (cz)

 

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