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Mirko Bonné - Lichter als der Tag

Abb. © Verlag
Buchkritik

Hilary Mantel: "Die Ermordung Margaret Thatchers“

Zynisch, bösartig, sprachlich perfekt
DuMont, 2014, 158 Seiten


Inhalt:
In zehn Kurzgeschichten spürt die britische Autorin Hilary Mantel absurden, verstörenden und erschreckenden Begegnungen und Ereignissen in der Kindheit, Jugend, Ehe und fortgeschrittenen Berufslaufbahn ihrer ebenso vielen Protagonisten nach. Es geht um Magersucht, Kindesmissbrauch, Ehebruch, IRA-Terror, das Leben im England der 60er bis 80er Jahre und dessen dunklen Seiten.


Offenkundig sind autobiografischen Erfahrungen und Erlebnisse der Autorin in die Geschichten mit eingeflossen. Heute zählt Hilary Mantel zu den Stars der britischen Literatur. Für ihre historischen Romane „Wölfe“ und „Falken“ über die Tudorzeit im England des beginnenden 16. Jahrhunderts wurde sie 2009 und 2012 gleich zweimal mit dem britischen Booker Prize ausgezeichnet und von der Queen geadelt.


Doch Hilary Mantels Kindheit und ihr Start als Schriftstellerin waren bitter. Die Kritik erinnert an   frühere Jahre, in denen sie als zunächst wenig erfolgreiche Autorin über die Dörfer tingelte. Mit ihrem Mann verbrachte sie vier Jahre im saudi-arabischen Dschidda. Und sie lebte 1983 in Windsor, mit Blick auf das Krankenhaus, in dem sich die damalige Premierministerin Margaret Thatcher einer Augenoperation unterzog.


Sprache & Stil:
Hilary Mantel erzählt ohne Anteilnahme, aus der Sicht einer interessierten Beobachterin, zynisch und lakonisch. Sie beobachtet die Geliebte des Vaters, die Schwester beim Verhungern und den Mörder beim Anschlag.


Dabei gelingt es ihr in jeder Geschichte, mit wenigen treffenden Worten Situationen und Personen zu charakterisieren und den Leser einzufangen. Sie benutzt ungewöhnliche Bilder, arbeitet mit Anspielungen und zielsicher gesetzten Schock-Effekten. Die Ereignisse sind tragisch, komisch, niemals gemütlich. Und schon die ersten Sätze der Geschichten ziehen den Leser in den Bann: „Er war 45, als seine Ehe an einem langen Herbsttag, dem letzten mit Grillwetter, definitiv endete“ oder: „Stellen Sie sich zuerst die Straße vor, in der sie ihren letzten Atemzug nahm“.


Dramaturgie & Spannung:
Die Spannung, die Hilary Mantel mit den ersten Sätzen aufbaut, hält sie allerdings nicht bei jeder Geschichte durch. Manche der Erzählungen haben Längen, sind nicht verständlich, mitunter irritiert auch Übersinnliches. Highlight ist in jedem Fall die letzte Geschichte rund um den IRA-Anschlag auf Margaret Thatcher, die auch als letzte der Erzählungen entstand und zu Recht auf dem Titel steht.


Bewertung:
Trotz seiner großartigen Sprache – da war unsere Gruppe sich einig – erhielt der Erzählband daher in puncto Spannung durchweg nur eine durchschnittliche Bewertung und wurde auch nicht von allen wirklich gerne gelesen. Andererseits fielen die „zeitgenössischen Spukgeschichten“ (FAZ) auch bei keinem aus der Gruppe völlig durch.


Soviel Konsens war selten – und als Ergebnis mit 3,2 Punkten auch eine klassische Durchschnittsnote – von 5 möglichen Punkten. (ut)

 

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