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Buchkritik

Ned Beauman: "Der gemeine Lumpfisch“

Kreativer, mitreißender und tragischer Ökothriller zum Artensterben
Liebeskind 2023, 380 Seiten


Der Autor:
Ned Beauman ist ein britischer Schriftsteller und Drehbuch-Autor. Er studierte Philosophie und schrieb als Redakteur für verschiedene Magazine. 2010 veröffentlicht er seinen ersten Roman. Seine Werke werden für verschiedene Awards nominiert und ausgezeichnet. Auch auf der Granta-Liste der „Best of Young British Novelists“ findet er einen Platz. „Venomous Lumpsucker“, so der Originaltitel, ist sein fünfter Roman.


Die Handlung:
Der in der nahen Zukunft spielende Roman „Der gemeine Lumpfisch“ setzt sich mit vielen Krisen unserer Gegenwart - allen voran dem Artensterben - kreativ, tragisch und komisch auseinander.


Als ungleiches Paar verfolgen wir die Protagonisten Mark Halyard und Karin Resaint, die auf der Suche nach dem für ausgestorben gehaltenen gemeinen Lumpfisch sind. Mark arbeitet für eine Firma, die Tiefseebergbau betreibt, als sogenannter Umweltverträglichkeitskoordinator. Die Firma muss, weil sie das Aussterben einer Art mitverantwortet, bei einer Weltorganisation teure Auslöschungszertifikate erwerben.


Mark hintergeht seinen Arbeitgeber und verspekuliert sich mit den Zertifkaten. Um den Gefängnis zu entgehen, muss er ein echtes Exemplar des Lumpfisches in freier Wildbahn ausfindig machen. Dazu benötigt er die Lumpfisch-Expertin Karin Resaint, die zunehmend unter dem Artensterben leidet.


Beide zusammen machen sich auf eine Abenteuerreise durch das inzwischen deutlich wärmere Finnland, Estland und über die Ostsee.


So klingt der Roman:
Mit einem hohen Maß an Detailverliebtheit und Humor gewährt dieser mitreißend geschriebene Roman einen Ausblick in eine künftige Welt, wie wir sie in wenigen Jahren schon erleben werden.


Der Autor zeichnet sich aus durch viel Recherche. Autonom fahrende Taxis und Boote, fehl geschlagenes Geo-Engineering gegen die Klima-Erwärmung, ein deutlich wärmeres Finnland und Estland, Brexit und AfD, Finanzinvestoren, Finanzspekulation und Lobbyisten, Zertifikate-Handel als "marktwirtschaftliches Instrument" zur Lösung der Klima-Krise, Meeres-Wohnplattformen für die Reichen ohne Steuern und Regeln, Genom-Bastler und Startups, ein immer gleich schmeckendes Essen und natürlich künstliche Intelligenz - das alles kommt vor.


Zugleich versucht er, so sagt er in einem Interview, seine Geschichten mit dem Tempo eines amerikanischen Films zu erzählen. Das schafft er mit knackigen Dialogen, gut beschriebenen Szenen, etlichen Cliffhangern und Humor.


Unsere Bewertung:
Für die meisten von uns war dieser Roman ein Schritt aus der Lesekomfortzone. Dennoch haben uns das Thema Artensterben, oder besser gesagt die vielen Facetten der Themen, die Beauman in seinem Roman behandelt, tief in Entwicklungen eintauchen lassen, die wir demnächst erleben werden.


Das Tempo und die Spannung fanden wir in jedem Fall positiv. Das sehr detaillierte Erzählen des Schriftstellers ist interessant, wurde von einigen aber auch als zu ausführlich empfunden. Fest steht: „Der gemeine Lumpfisch“ erfordert Aufmerksamkeit und lässt sich nicht mal eben nebenbei lesen. Dafür belohnt er den Leser mit einem sehr humorvollen Stil und schrägen Nebencharakteren.


Zu vielen der Themen hatten wir in unserer Runde einen regen Austausch, vieles stimmte auch nachdenklich. Mit 3,8 Punkten von 5 möglichen Punkten erzielte der sehr aktuelle Roman eine weit überdurchschnittliche Gesamtwertung.
(ID)

 

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